Evangelische Kirchengemeinde Ettenheim
   
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"Angedacht"

Severine Plöse
Aufsicht – im besten Fall wird sie als notwendiges Übel gesehen.
Es klingt nach Pausenaufsicht, Aufsichtsrat, Aufsichtspflicht – halt in irgendeiner Weise nach Kontrolle.
Meist ist es etwas Unangenehmes – sowohl für die, die den Überblick behalten müssen als auch für die, die nicht unbeaufsichtigt sein dürfen. Manchmal hat es auch etwas Beruhigendes – „da ist jemand, der aufpasst“ - und oftmals ist es ja einfach notwendig: So brauchen zum Beispiel Kinder eine gewisse Aufsicht, Grenzen eben, in denen sie sicher sind und sich entfalten können; auch in Firmen, Organisationen und anderen Institutionen braucht es eine gewisse Aufsicht, damit Dinge nicht aus dem Ruder laufen.
Es ist meist dieses notwendige Übel, an das wir denken, wenn von „Aufsicht“ die Rede ist.
„Aufsicht“ kann aber auch neues Leben bedeuten und zwar dann, wenn ich es im Sinne von „Aufsehen“ verstehe.
Und damit meine ich jetzt nicht das Aufsehen, das jemand erregen kann. Wobei: Manchmal ist das auch mit einer neuen Sichtweise, einem neuem Leben verbunden, dass etwas Aufsehen erregt. Da ist alles plötzlich anders, jemand verhält sich anders als sonst, jemand wirkt wie ein anderer und das erregt schon Aufsehen.
Es ist doch so: Wenn jemand aufsieht, dann verändert sich etwas.
Der Blick vom Boden weg auf die Menschen um ihn herum, auf die Perspektiven, die sich ihm bieten, der Blick hinauf in den Himmel ...
Aufsehen kann etwas verändern. Jesus hat eine Menge Aufsehen erregt. Er hat zu Gott aufgesehen und er hat andere Menschen dazu gebracht selbst auf zu sehen. So hat er ihren Blick für neues Leben geöffnet – die Evangelien erzählen von solchem Aufsehen, das Aufsehen erregt hat.
Das Aufsehen, von dem das Markusevangelium erzählt, verändert sich sogar mit der Zeit. Ja, ich würde sogar sagen: es wird stärker. Am Anfang ist es Jesus, der aufsieht. Es wird erzählt: 5000 Menschen werden satt, nachdem Jesus zum Himmel aufsieht, das Dankgebet über dem Brot und den Fischen spricht und es weiter gibt (Mk 6,41). Auch bei der Heilung eines Taubstummen sucht Jesus den Kontakt „nach oben“, den Kontakt zu Gott. (Mk 7,34)
Später, bei zwei weiteren Blindenheilungen, ist es nicht mehr Jesus selbst, der zum Himmel aufsieht. Da bringt Jesus andere Menschen dazu, selbst aufzusehen. In Betsaida begegnet Jesus einem Blinden. Und es wird erzählt: als der Blinde aufsieht, sieht er schemenhaft etwas (Mk 8,24). Und der blinde Bartimäus wünscht es sich sogar von sich aus. Als Jesus ihn fragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“, sagt er: „Rabbuni, dass ich aufsehe!“ (Mk 10,51f). (1)
Am Grab Jesus reicht den Frauen schon der Gedanke an Jesus. Ich stelle mir vor, auf dem Weg zum Grab haben sie ihren Blick auf den Boden gerichtet, als sie sich fragen: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Eigentlich ist die Situation aussichtslos, aber sie wollen unbedingt zu Jesus.
So kommt es vielleicht, dass plötzlich alles ganz anders ist, als sie aufsehen. Das Evangelium erzählt: „Als sie aufsehen, sehen sie, dass der Stein weggewälzt war.“ (Mk 16,4)
Wer aufsieht, verändert den Blick, nimmt eine neue Sichtweise ein und kann sich neu und anders auf den Weg machen. So ging es den Blinden, so ging es den Frauen.
Auch Ihnen wünsche ich in dieser kommenden Passions- und Osterzeit, im erwachenden Frühling immer wieder Momente, in denen sich Ihr Blick verändern kann, in dem Sie aufsehen können.
Manchmal erweckt solches Aufsehen dann auch das andere Aufsehen. Aber das ist ja nicht unbedingt schlecht.

Herzliche Grüße
Ihre Gemeindepfarrerin
Severine Plöse

(1) Bei Bartimäus wird meist mit „wieder sehen“ übersetzt. Das Wort, das im griechischen steht, ist aber an allen genannten Stellen das gleiche.

Monatsspruch April

 
Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Mt 28,20 (L)

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