Evangelische Kirchengemeinde Ettenheim
   
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"Angedacht"

Severine Plöse
"Ein Baby! Oh, wie süß!" - "Sei aber bloß vorsichtig! Halt ja das Köpfchen gut fest - und den Rücken – ja, so ist es gut." Ein Baby und sofort leuchten viele Augen, werden Gesichter weicher, Hände vorsichtig.
Ein Baby, da ist man sich bald einig: So ein kleiner Erdenmensch braucht Schutz und sofort schaut man anders hin.
Auch, wenn Gott Mensch wird, schauen wir anders hin. Ein Mensch ist uns nicht fern. Ein Kind – da ist Nähe sogar nötig.
Einem Menschen kann ich in die Augen blicken, ich kann ihn berühren, kann Grimassen schneiden, mit ihm lachen und weinen, lieben und streiten, reden – nächtelang.
Wenn Gott Mensch wird, schauen wir anders hin, ja, dann sehen wir ihn anders. Dann ist er nicht nur fern, unsichtbar, unbegreiflich – dann ist er auch nah, begreifbar, bedürftig. Er ist sogar einer, mit dem man vorsichtig sein muss, der aber – wie Säuglinge auch – so einiges aushält, dem man – wie Menschen auch – so einiges zumuten kann.
Wenn Gott Mensch wird, sehen wir ihn anders. Aber auch er sieht uns und unser Leben anders. Gott ist dann nicht mehr außen vor. Er ist mittendrin. Dann weiß er wirklich, was es heißt, Mensch zu sein. Er hat es am eigenen Leib erfahren, wie man so schön sagt: Die Geburt, das Aufwachsen, Freunde finden, Halt aber auch Auseinandersetzungen in der Familie, Erwachsen werden, verraten werden, einsam dastehen, sterben. Ein solcher Gott, der mittendrin ist und überall, von dem kann man nicht sagen: der hat ja keine Ahnung, wie es ist, Mensch zu sein.
Ich finde, hier hat Gott große Vor-Sicht bewiesen. Er hat weit voraus gesehen, gesehen, was das für Wirkungen hat: Gott wird Mensch. Gott sieht uns und unser Leben anders, wir sehen Gott anders, und ich glaube, es hat auch zur Folge, dass wir uns gegenseitig anders sehen. Denn: wenn Gott Mensch wird, dann ist ja in jedem Menschen irgendwie auch Gott gegenwärtig. Vielleicht hilft uns das auch immer wieder, mit anderen Menschen vorsichtig zu sein. Vorsichtig, nicht in dem Sinn, dass wir uns gegenseitig in Watte packen und uns nichts zumuten. Vor-sichtig in dem Sinn, dass wir schauen, was unser Tun oder Lassen für Wirkungen hat - für uns, für unser Miteinander, für diese Welt.
Es könnte sein, dass dann nicht nur bei Babys die Augen leuchten, Gesichter weicher werden und Hände vorsichtiger.
Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit, eine frohe Weihnacht und einen guten Start im neuen Jahr – alles mit der nötigen Vor-Sicht.

Herzliche Grüße
Ihre Gemeindepfarrerin
Severine Plöse

Monatsspruch Dezember

 
Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.
Mt 2,10 (L)

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