Evangelische Kirchengemeinde Ettenheim
   
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"Angedacht"

Severine Plöse
Haben Sie schon mal ein Selfie verschickt? - an Freunde oder in der Familie - als kurzen Gruß, oder aus dem Urlaub? Für viele ja ein absolutes Muss und oft auch nett oder gar witzig.
Neulich bekam ich von einer Freundin ein „Bild-von-hinten“. Also ein Foto, auf dem man den Rücken meiner Freundin sah und ansonsten vor allem das wogende Meer, auf das sie gerade schaute – so ähnlich wie bei manchen Bildern von Caspar David Friedrich. Ich fand das eine schöne Alternative zum Selfie.
Es ist eine Form von Rücksicht, bei der einem der Mensch auf dem Bild an etwas teilhaben lässt, was er selbst sieht, was er selbst erlebt. Ich durfte an der Sichtweise meiner Freundin teilhaben.
Ich war beschenkt und inspiriert. Es war ein wenig wie ein Blick aus dem sicheren Zuschauerraum und doch eben auch eine Möglichkeit, ihren Blick einzunehmen - einen anderen Blick als meinen. Was sie da wohl gefühlt, gedacht hat? Ob sie einfach den Wind genossen hat und das tolle Wellenspiel, oder ob ihr auch ein wenig mulmig war?
Mir wurde deutlich: Wenn ich mich auf so ein „Bild-von-hinten“ einlasse, lasse ich mich auf etwas ein, was mich an eigene Erfahrungen erinnert, oder je nachdem auch auf etwas, was mir selbst bisher fremd war. So lerne ich die ein oder andere Sichtweise kennen, die mir bisher fremd war.
Vielleicht ist das überhaupt die Voraussetzung, um Rücksicht auf andere nehmen zu können, weil ich mir so besser vorstellen kann, wie die Welt aus ihrer Sicht aussieht und besser verstehe, was sie bewegt, warum sie so reden wie sie reden, warum sie das tun, was sie tun.
Schön finde ich auch das Vertrauen, das in so einem Bild spürbar wird. Da geht es nicht darum, dass sich jemand darstellt und zeigt: „Schau, so bin ich!“, oder sogar: „Schau, so will ich gesehen werden!“, wie das ja oft bei einem Selfie ist. Da vertraut eine darauf, dass sich andere auf sie und ihre Sichtweise einlassen. Da vertraut sich mir als Betrachterin jemand ein Stück weit an. Da vertraut mir jemand ein Stück seines Lebens an und ich darf damit beschenkt und inspiriert weiter gehen.
So ähnlich stelle ich mir Pfingsten vor – Geschenk und Inspiration, zu der die Jünger durch eine Art Rücksicht kamen. Ich stelle mir vor, mit seinem Tod dreht Jesus seinen Jüngern gleichsam den Rücken zu. Sie haben ihn nicht mehr so als Gegenüber wie vorher. Und es entsteht so eine Art „Bild-von-hinten“ auf das, was sie alles mit Jesus erlebt haben.
Im Rückblick können die Jünger Gott, die Welt und ihr Leben mit Jesu Augen anblicken.
Vielleicht zuerst wie aus dem sicheren Zuschauerraum. Aber sie kommen immer mehr mit hinein ins Bild, verstehen immer mehr, mit was Jesus sie da beschenkt hat.
Sie sehen, dass jede und jeder einzelne für Gott wertvoll ist – mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben. Sie sehen, dass Jesus das Leben als Geschenk gesehen hat, als Geschenk von Gott, der für ihn wie ein liebender Vater war.
Sie sehen auch, dass Leid nichts ist, was man einfach wegschieben kann, dass man manchmal durch muss, aber dass Gott begleitet, Kraft gibt und neues Leben schafft. Sie sehen, dass sie selbst nun mitten drin stecken, selbst anderen diese Sichtweise weiter geben wollen, damit auch sie das Leben als Geschenk sehen können, damit auch sie inspiriert werden zu leben.
Ein segensreiches und inspirierendes Pfingstfest!

Herzliche Grüße
Ihre Gemeindepfarrerin
Severine Plöse


Monatsspruch Juni

 
Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.
Spr 16,24 (L)

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