Evangelische Kirchengemeinde Ettenheim
   

Nicht alles ist Luther Huldrych Zwingli

Die badische Landeskirche ist eine unierte Kirche - das heißt: lutherische und reformierte Tradition kommen in ihr zusammen.
Wenn wir besser verstehen wollen, wer wir sind und woher wir kommen, dürfen wir deshalb nicht nur die Reformbewegung in den Blick nehmen, die Martin Luther angestoßen hat, sondern müssen auch auf die Ursprünge der reformierten Tradition schauen. Beide entstehen zur gleichen Zeit (zwischen 1515 und 1520) und beide entstehen aus kritischen Fragen ihrer Zeit.
Nicht alles ist Luther Luthers Frage war sehr persönlich: Wie kann ich - in einer Zeit der Unsicherheit - meines Heils gewiss sein?
Zwinglis Leitfrage war eher sozialer und politischer Natur: Wie können wir, in einer Zeit der Ungerechtigkeit und der Kriege eine solidarische, den Menschen gerechte und demokratische Gesellschaft gründen?
Das erklärt die enge Verbindung von Kirche und politischer Verantwortung in der reformierten Tradition
. Beide Reformbewegungen stehen im damals modernen Geist des Humanismus, der die alten Quellen wiederentdeckt. Beide finden deshalb ihren neuen Weg durch die Auseinandersetzung mit den biblischen Schriften. SP

Huldrych Zwingli

Huldrych (Ulrich) Zwingli
Die Reformation in Zürich

beginnt mit einem Wurstessen.
Für den 9. März 1522, den ersten Sonntag der österlichen Fastenzeit, hatte der Drucker Christoph Froschauer zum Wurstverzehr eingeladen - und damit zum Bruch der kirchlichen Fastenvorschriften.
So sind es einflussreiche Bürger, die erstmals Konsequenzen aus dem ziehen, was der Pfarrer und spätere Reformator Ulrich Zwingli am Großmünster in Zürich schon seit längerem predigt: die strikte Orientierung an Jesus Christus und an der Bibel und nicht an kirchlichen Vorschriften.
Damit vertritt der Schweizer Zwingli zeitgleich mit dem Deutschen Martin Luther die Ansichten, die zu den großen kirchlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen führen. Und er legt mit dem 25 Jahre später geborenen Genfer Reformatoren Johannes Calvin die Grundlage für die Reformierte Kirche: neben den Lutheranern der große Zweig im Protestantismus mit heute weltweit 80 Millionen Christen.
Zwingli vertritt die Meinung: Keine menschliche Instanz habe das Recht, dem freien Christenmenschen religiöse Vorschriften zu machen. ZwingliDie Provokation "Wurstessen" verfehlt ihre Wirkung nicht, es gibt Auseinandersetzungen bis hin zu Prügeleien. Eine Delegation des Bischofs von Konstanz verlangt vom Zürcher Rat die Bestrafung der Fastenbrecher.
Doch die im Rat versammelten Vertreter der Zünfte wollen Zwingli dazu hören. Für Januar 1523 laden sie zur Ersten, für Oktober zur Zweiten Zürcher Disputation.
Die Ratsherren schließen sich Zwinglis Forderungen an: Alle sollen auf Grundlage der Bibel predigen, Pflichtzölibat und Verehrung von Heiligen werden abgeschafft, kultische Bilder aus den Kirchen entfernt, eine neue Abendmahlsordnung eingeführt, Klöster in Armenhäuser umgewandelt. Zudem gibt es werktägliche öffentliche Bibelauslegungen. Aus dieser "Prophezey" geht bis 1531 die Übersetzung hervor, die bis heute als "Zürcher Bibel" existiert.
So wird innerhalb von zwei Jahren die Reformation in Zürich eingeführt - nicht, wie in Deutschland, von einzelnen Fürsten, sondern von den Bürgern, die erstmals über kirchliche und religiöse Fragen entscheiden.

Photos: akg north wind picture archive, epd bild
Text: Wiebke Rannenberg (epd) Quelle: www.ekd.de Text gekürzt



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