Evangelische Kirchengemeinde Ettenheim
   
Unterschiedliche Sichtweisen
Sichtweisenhaben im Christentum Tradition. In den biblischen Schriften gibt es oft mehrere Versionen ein und derselben Geschichte. Manchmal stehen sie nebeneinander, wie z.B. bei den Schöpfungserzählungen in 1.Mose 1 und 2. Ein anderes Mal wiederum sind verschiedene Versionen quasi ineinander verwoben zu einer neuen Geschichte wie bei der Erzählung von der Sintflut in 1. Mose 6-9 und wieder ein anders Mal sind Erzählungen wohl im Verlauf kommentiert oder weiter erzählt worden. So haben wir mit den vier Evangelien vier Sichtweisen auf das, was Menschen mit Jesus erlebt haben, auf sein Leben, Sterben und seine Auferstehung. Vier Sichtweisen auf das, was er erzählt hat.
Bibelwissenschaftler haben immer wieder versucht, diese unterschiedlichen Versionen zusammenzubringen. Man hat nach dem „wahren Kern“ von Erzählungen gesucht, hat versucht, herauszufinden, was Jesus „wirklich“ gesagt hat und was Menschen später „dazuerfunden“ haben.
Aber was Jesus „wirklich“ gesagt hat, ist kaum herauszufinden. Schließlich gibt es weder Film noch Tonaufnahmen von damals und auch dann - das wissen wir heute - hängt vieles von der Situation ab, in der etwas gesagt wird.
Viel interessanter ist es, die unterschiedlichen Sichtweisen der Menschen, die von Jesus erzählen, ernst zu nehmen.
Dann kann man fragen: Warum wird es einmal so erzählt und einmal so? Was haben die Menschen, die die Texte geschrieben haben, geglaubt? Was war ihre Hoffnung? Welche Erfahrungen haben sie mit Jesus, mit Gott gemacht? Wer war er für sie?
So befragt können diese unterschiedlichen Sichtweisen von damals ein Schatz für uns heute sein. So können wir ihre Erfahrungen mit dem ins Gespräch bringen, auf was wir vertrauen, was uns leitet und was wir hoffen. Severine Plöse