Sonntag Zuhause - 6. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst zum Sommer 2022

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 139 I – WW 966.1
HERR, du erforschest mich *
und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; *
du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich *
und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, *
das du, HERR, nicht alles wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich *
und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, *
ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, *
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da; *
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte *
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen *
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken *
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, /
und die Nacht leuchtete wie der Tag. *
Finsternis ist wie das Licht.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar 
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Immer wieder ist das Leben eher zum Fürchten. Da ist Krieg um uns herum, Krankheit, Tod. Was soll denn noch kommen?
Wenn die Fragen zu groß werden, möchte ich mich verkriechen, oder an die äußersten Enden der Erde fliehen – einfach weg von allem – nur meine Ruhe haben. 
Hilf mir, hier mitten auf dieser Erde zu leben, Gott – so, wie Du. Amen
Lied: Ich sage Ja – WW 158, 1-4
1. Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf. Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf, zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt, und der auch mich in seinen Händen hält, und der auch mich in seinen Händen hält.
2. Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt und aus dem Tod zum Leben auferstand und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist für uns zum Freund und Bruder worden ist.
3. Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist, zum Weg der Liebe, den er uns verheißt, zu wagen Frieden und Gerechtigkeit in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.
4. Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not. Ich sage Ja und Amen, weil gewiss ein andres Ja schon längst gesprochen ist.
Lesung des Predigttextes: Römer 6, 3-7(8-11)
Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Das ist schon findig vom guten alten Paulus. Es stimmt ja – auch wenn wir uns mit dem Gedanken nicht gerne beschäftigen: Der Tod hat auch sein Gutes. Wer gestorben ist, dem können die Widrigkeiten des Lebens nichts mehr anhaben. Er kann überhaupt nicht mehr von Gott getrennt sein, weil da alles ganz und gar in Gottes übergroßer Gnade liegt. Über einen Toten hat die Sünde eben keine Macht mehr. Wer gestorben ist, der ist frei von all dem Hin und Her, von allen Ansprüchen und Anforderungen dieser Welt, von allem Leid, von allen Sorgen, von allen Selbstzweifeln. 
Wer gestorben ist, der lebt ganz im „Ja“ Gottes. Das ist die christliche Botschaft von Tod und Auferstehung. In der Geschichte des Christentums hat dieser Gedanken zwischendurch zu einer regelrechten Todessehnsucht geführt. Paulus jedoch hat keine Todessehnsucht. Er steht mitten im Leben. Er will leben. Gleichzeitig ist er sich darüber im Klaren: Der Tod ist Teil des Lebens, wenn auch ein sehr einschneidender Teil. Wenn der Tod uns begegnet, erschüttert er uns und unser Leben und bringt es durcheinander. Oft ist das eine tiefe, schmerzliche Erfahrung – zugleich kann sie uns die Augen öffnen für das Leben. Paulus hat so eine Erfahrung gemacht. Es war seine Begegnung mit Jesus. Er ist nicht wirklich gestorben, aber drei Tage lang war er wie Tod - mitten im Leben – schmerzlich - und doch hat ihm dieses Erlebnis eine neue Sicht auf sein Leben gegeben (Apostelgeschichte 9). Paulus hat so etwas Ähnliches wie den Tod erlebt, das „Ja“ Gottes hat er am eigenen Leib erfahren und doch spürt er auch: es braucht noch ein „Verwachsen“ oder „Zusammenwachsen“ mit dieser Ähnlichkeit Todes - zusammenwachsen mit Christus, hinwachsen in Gott. Es braucht noch etwas, denn hier in dieser Welt sind wir irgendwie dazwischen. Deswegen tun wir uns auch so schwer damit, selbst „ja“ zu sagen. Findige Manager würden nun bestimmt ein Programm entwickeln, wie man es schafft, dieses Wachstum zu fördern. Vielleicht würden sie eine Glaubensapp programmieren, an der man ablesen kann, wie viele Schritte ich heute schon gegangen bin, wie viele Fasern ich weitergewachsen bin. Natürlich wäre es irgendwie praktisch, wenn wir so etwas hätten und doch merken wir ja immer wieder: Mit so einer App oder einem Zähler pressen wir uns selbst in ein Schema hinein. Ersteinmal entlastet das vielleicht, weil es so klar ist, doch dann wird der Druck immer größer. Wir wollen immer und immer besser werden – oder wir sehen eben sehr deutlich, was nicht besser geht. Paulus macht uns darauf aufmerksam: Wer so an die Sache herangeht, verwechselt etwas. Klar gibt es Dinge, die wir wissen und somit auch messen können. Eine solche Tatsache ist für Paulus, dass der Tod über ihn keine Macht hat, wenn Christus von den Toten auferweckt wurde. Oder ganz allgemein gesagt: Was / wer gestorben ist, ist ein für allemal für die Sünde tot und was / wer lebt, ist ganz eng mit dem Leben Gottes verbunden. Das ist klar. Darüber hinaus ist nichts mehr messbar oder durch irgendein Programm optimierbar. Darüber hinaus ist alles Vertrauen. Deshalb schreibt er: „Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, vertrauen wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“. Martin Luther hat sah das ganz ähnlich und hat empfohlen, täglich in die Taufe hinein zu kriechen und wieder hervor zu kommen. Das ist kein Programm, kann aber eine sehr hilfreiche Erinnerung sein – jeden Tag neu. Amen
Lied: Erinnere uns an den Anfang – WW 134, 1-4
1. Erinnere uns an den Anfang. Am Anfang, als Leben begann, sprachst du zu uns: Ihr seid willkommen, hast du an die Hand uns genommen. Erinnere uns an den Anfang, an Ursprung und Werden, Vergehen, damit wir das Leben verstehen, damit wir klug, damit wir klug, damit wir klug werden.
2. Erinnere uns an das Staunen. Mit staunendem, offenen Blick hast du uns als Kinder gesegnet, sind wir allem Neuen begegnet. Erinnere uns an das Staunen, an Ursprung und Werden, Vergehen, ...
3. Erinnere uns an Erfahrung. Erfahrung, die uns heute prägt, hat uns auch durch Trauer geleitet, hat unseren Glauben geweitet. Erinnere uns an Erfahrung, an Ursprung und Werden, Vergehen, ...
4. Erinnere uns an das Ende, ans Ende, wenn du zu uns sprichst: Willkommen seid ihr. Euer Bangen ist gänzlich in Liebe umfangen. Erinnere uns an das Ende, an Ursprung und Werden, Vergehen, ...
Fürbitten und Vaterunser:
Das Leben ist so vielfältig, Gott, und Du bist mittendrin.
Du schenkst uns das Leben und hältst Dich dann auch nicht raus, hast als Mensch hier gelebt, gelacht und gelitten. Du weißt, was uns bewegt. - Erinnere uns immer wieder daran.
Das Leben ist so vielfältig, Gott 
und Du willst, dass auch wir mittendrin sind.
Öffne unseren Blick, dass wir staunen über Deine Vielfalt.
Öffne unsere Herzen, dass wir einander wahrnehmen mit aller Freude und mit unserem Leid.
Das Leben ist so vielfältig, Gott – wir sollen davon erzählen.
Schenke uns dazu den Mut und pfiffige Ideen – lass Deinen Geist unter uns wehen.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Fürchte dich nicht – EG 643, 1-3
1. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst.
Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.
2. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst.
Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von ihm lebst du.
3. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst.
Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
 
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Zum Ausdrucken und Weitergeben:
Gottesdienste vergangener Sonntage finden Sie im Archiv.