Sonntag Zuhause - Reminiszere

Gottesdienst zum März 2022

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 25 - WW 908
Nach dir, HERR, verlangt mich. *
Mein Gott, ich hoffe auf dich;
lass mich nicht zuschanden werden, *
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; *
aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.
HERR, zeige mir deine Wege *
und lehre mich deine Steige!
Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! /
Denn du bist der Gott, der mir hilft; *
täglich harre ich auf dich.
Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, *
die von Ewigkeit her gewesen sind.
Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend *
und meiner Übertretungen,
gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, *
HERR, um deiner Güte willen!
Der HERR ist gut und gerecht; *
darum weist er Sündern den Weg.
Er leitet die Elenden recht *
und lehrt die Elenden seinen Weg.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar 
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Barmherziger Gott.
Da ist so viel Not, so viel Leid, so viel Ungerechtigkeit in dieser Welt.
Alles legen wir vor Dich und bitten dich:
Höre die Rufe derer, die Unrecht leiden. Steh den Verzweifelten bei.
Sieh unsere Hilflosigkeit und lass uns nicht darin verharren.
Erneuere uns durch Dein Erbarmen.
 Amen
Lied: Du schöner Lebensbaum des Paradieses – EG 96, 1.3.4.6
1. Du schöner Lebensbaum des Paradieses, gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden.
Du bist der wahre Retter unsres Lebens, unser Befreier.
3. Lieber Herr Jesus, wandle uns von Grund auf, dass allen denen wir auch gern vergeben,
die uns beleidigt, die uns Unrecht taten, selbst sich verfehlten.
4. Für diese alle wollen wir dich bitten, nach deinem Vorbild laut zum Vater flehen,
dass wir mit allen Heilgen zu dir kommen in deinen Frieden.
6. Dank sei dem Vater, unsrem Gott im Himmel, er ist der Retter der verlornen Menschheit,
hat uns erworben Frieden ohne Ende, ewige Freude.
Lesung des Predigttextes: Matthäus 26,36-46
Jesus kam mit den Jüngern zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu ihnen: Setzt euch hierher, solange ich dorthin gehe und bete. Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet mit mir! Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst! Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, dass dieser Kelch vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf. Und er ließ sie und ging wieder hin und betete zum dritten Mal und redete abermals dieselben Worte. Dann kam er zu den Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird. Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Bleibet hier und wachet mit mir, bittet Jesus voller Angst – ganz und gar menschlich. Er sieht: Wenn jetzt kein Wunder geschieht, wird er sterben. Und, ja: In so einer Situation möchte kein Mensch allein sein: Bleibet hier und wacht mit mir! - Bittet er seine Freunde. 
Bleib. - Lass mich bitte nicht allein.
Ich denke an all die Menschen, die in den vergangenen beiden Jahren allein waren mit ihren Sorgen, die im Krankenhaus nicht besucht werden konnten, die allein - oder nur von Menschen in Schutzanzügen umgeben - sterben mussten.
Ich denke an die vielen Kinder, die sich seit Jahren allein auf den Weg machen - aus Afrika, Syrien, nun der Ukraine ...
An die Menschen, die ausharren in irgendwelchen Kellern und U-Bahn Stationen, hoffen, dass ihr Haus am nächsten Tag noch steht.
Bleibet hier und wachet mit mir.
Die Jünger schaffen es nicht, wach zu bleiben. „Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen“, fragt Jesus sie. Ich stelle mir vor, er ist resigniert, wahrscheinlich sogar enttäuscht. Aber steckt hinter seinen Worten vielleicht auch ein wenig Verständnis? - Ich hoffe es jedenfalls. Ich hoffe, dass er versteht, dass wir manchmal die Augen zumachen müssen, wenn es zu viel Leid zu sehen gibt, dass ich einen Moment der Ruhe brauche, um nicht verrückt zu werden, einen Moment zum Durchatmen. 
Bleibet hier und wachet mit mir.
Jesus betet. Er möchte nicht sterben. Die Versuchung ist groß. Die Versuchung, selbst die Augen zu verschließen, einfach zu gehen und alles hinter sich zu lassen. Doch was dann? Wenn er geht, würde er alles verraten, was er bis dahin gesagt und getan hatte. Alles, wofür er gelebt hatte. Er würde sich verraten, er würde seine Jünger verraten, er würde Gott verraten. - Jesus betet. Er wendet sich in all seiner Not an Gott, muss vor ihm nichts beschönigen, kann sagen, wie es in seinem Innersten steht - und hält doch gerade damit an Gott fest. Dein Wille geschehe, betet er am Ende.
Leid bringt uns an unsere Grenzen. Die Versuchung ist groß, davon zu laufen, die Augen zu verschließen - zumindest innerlich. Die Versuchung ist groß zu verdrängen, nicht wahrhaben zu wollen.
Im Vaterunser betet Jesus: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Bewahre mich davor, dass ich in die Versuchung gerate, wegzuschauen, zu fliehen. Bewahre mich davor, dass ich verführt bin, mich selbst zu verleugnen. Wenn es irgendwie geht: bewahre mich vor solchen Situationen, Gott. 
Und wenn ich doch hinein gerate: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. - Hilf uns, unsere Wege trotzdem miteinander weiter zu gehen. - So, wie Jesus, der am Ende zu seinen Jüngern sagt: Steht auf und lasst uns gehen! Amen
Lied: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr – EG 382, 1-3
1. Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott; mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.
2. Von Zweifeln ist mein Leben übermannt, mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand, in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land? Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?
3. Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Fürbitten und Vaterunser:
Barmherziger Gott,
Sprachlos und hilflos stehen wir vor so vielem Leid in dieser Welt.
Vor dem Leid der Menschen, die unter Gewalt und Krieg leiden.
Wir bitten Dich: Sende Deinen Geist und eröffne Wege zum Frieden,
damit wir unser Leben miteinander gestalten können.
Vor dem Leid in unserer Nähe.
Hilf uns, nicht wegzuschauen 
und da zu sein, wenn wir gebraucht werden.
Vor eigenem Leid.
Hilf uns zu tragen, was wir tragen müssen. 
Zeige uns, was Dein Wille ist.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Verleih uns Frieden gnädiglich – WW 202
Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! 
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
 
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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